zwanzigtausend

20000 Meilen über das Meer

Things are changing

IMG_9287.JPGDie Zeit zum Schreiben war rar, trotzdem – oder eher weil – die vergangenen Tage nicht von Untätigkeit geprägt waren.

Die letzte Woche verbrachte ich auf dem Geläden vom TPZAK, und war zusammen mit meiner besten Freundin und Kollegin Ina beim Kindekultursommer, NRWs größtem Ferienprogramm für Kinder. Großartige Unterstützung bekamen wir über die Lebenshilfe von einer Sonderpädagogin, Isabelle. Wir boten einen kreativen Fotoworkshop an. In einer inklusiven Gruppe beschäftigeten wir uns mit Portraitfotografie, Collagen, Perspektiven, Tricks zum Aufnehmen undFullSizeRender1.jpg gingen in die Dunkelkammer, um mit einer selbst gebauten Lochbildkamera Bilder zu entwickeln. Natürlich mit einer Ausstellung zum Abschluss.

Eine so intensive Arbeit mit Kindern war mir neu und ich war überwältigt, wie viel Kreativität und Offenheit mir begegneten.

Im Winter geht es mit Workshops für Erwachsene weiter, dann an der VHS-Düren.

Daneben arbeite ich auf Hochtouren daran meine Website komplett umzugestalten, wie immer mit unschätzbarer Hilfe von dem Webmaster meines Vertrauens. Mit dem großen Vorhaben mehr, aber dafür weniger textlastig, zu bloggen.

 

 

Total developing darkness

Mein inzwischen schon ein paar Jahre zurück liegendes Mineralogiestudium brachte mich das erste Mal in eine Dunkelkammer, um Filme einer Röntgenstrukturanalyse zu entwickeln. Von (Analog-)Fotografie hatte ich zu der Zeit noch wenig Ahnung.

Die Filmentwicklungen zu Hause habe ich immer ohne DuKa hinbekommen, da ich den Film in zwei übereinander gezogenen schwarzen Müllsäcken in die Entwicklerdose bringen konnte. Das gestrige Projekt zwang mich aber dazu mich endlich den Schritt zu gehen und mein Badezimmer mit Hilfe von Molton und Klebeband in tiefstes Dunkelheit zu tauchen, und mich meinem Jugendtraum eines eigenen Labors etwas näher zu bringen. Aber ich muss etwas ausholen.

Vor einigen Wochen baute ich zusammen mit meiner Kollegin und besten Freundin Ina eine Lochbildkamera. Wir dachten lange über verschiedene Varianten nach, die Streichholzschachtelkamera hatte es uns anfangs sehr angetan, entschieden uns dann schlussendlich doch für das klassische Pappmodell in 9×13. Beim ersten Anlauf benutzten wir für die Rückseite Pergamentpapier, und erschufen uns so eine Mattscheibe. Aber durch das wirklich kleine Loch war es sehr schwer mehr als nur scherenschnittartige Bilder, und diese auch nur gegen die Sonne, zu erkennen.

Gestern ersetzten wir dann das Rückteil unserer Pappkamera durch einen undurchsichtigen Deckel, in den wir Fotopapier legten (jetzt macht auch die 9×13 Sinn^^) und mit zwei bis fünf Schichten Gaffer-Tape fest mit der restlichen Kamera verklebten, bis alles lichtdicht war.

Die Belichtungszeit versuchte ich anfangs zu berechnen, war aber nicht in der Lage rauszufinden, welche Lichtempfindlichkeit unser Fotopapier hatte. Nach einem educated guess starteten wir mir 15 Sekunden Belichtungszeit, was sich im Nachhinein als +/- die richtige Zeit herausstellte.

Das Papier entwickelten wir – ihr denk es euch vermutlich schon – in Caffenol. Fixierer habe ich inzwischen in Pulverform in einer Großpackung zu Hause, um mir bei Bedarf welchen anrühren zu können. Vom Ergebnis war ich wirklich überrascht. Nicht nur, dass die Caffenol-Entwicklung beim Papier um Größenordnungen besser funktionierte als bei den Filmen, die Fotos waren auch extrem scharf und detailreich. Mit einer simplem Pappkamera, die insgesamt keine 3 € gekostet hat.

Aus Gründen entschieden wir uns bei der Wahl des Papieren für „normales“ Foto- und gegen Direktpositivpapier. Somit hielten wir nach der Entwicklung zunächst ein papiernes Negativ in Händen. Um auch ein Positiv zu erhalten, machten wir einen Nassabklatsch / Kontaktabzug (an dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an die zahlreichen Tipps und Ratschläge, die ich im Vorfeld von einigen, lieben Menschen erhalten habe). Nach der großen Begeisterung über das Negativ, war die Qualität des Positivs erschreckend viel schlechter. V.a. die Kontraste litten stark. Über eine Belichtungsreihe konnten wir den Abzug noch etwas verbessern, aber für mehr als Demonstrationszwecke würde ich dieses Verfahren nicht einsetzen. Vermutlich hat die Kombination aus Caffenol und dem Trägermaterial Papier, statt wie bei (Negativ-)Filmen Zelluloid, die Kontraste zu sehr abgesenkt. Vielleicht muss ich die Entwicklungszeiten auch noch etwas anpassen.

Hier dann auch die Ergebnisse:

Als erstes fotografierten wir die Straße, mit Ina als Modell relativ in der Mitte. Die „Beule“ an der Seite des Bildes ist einem kleinen Konstruktionsfehler der Kamera geschuldet, weil der Deckel etwas zu klein geraten ist und somit die Pappbox verbeulte. Das Bild hab ich im Compi einmal quick&dirty invertiert, damit man etwas besser erkennen kann, wie gut die Kamera an sich funktioniert. Für die Kontaktabzüge machten wir drei verschiedene Belichtungen.

Das zweite Bild machten wir um sicher zu gehen, dass die schlechte Bildqualität der Abzüge nicht daran liegt, dass der Entwickler evtl. schon abreagiert ist. Unsere Kamera hatte bis dato schon ein wenig vom ganzen mit Kleber entwickeln und diesen wieder abfriemeln schon etwas gelitten, wodurch eine zweite Beule entstanden ist. Wie gesagt, Prototyp. Die Kontaktabzüge machten wir mit vier verschiedenen Belichtungszeiten, beim letzten Bild legten die Fotopapiere beim Kontaktabzug anders herum aufeinander, wodurch es im Vergleich zu den anderen gespiegelt ist. Den besten Abzug erhielten wir, als wir mit einem Baustrahler für 7 Sekunden (Abstand Fotopapier – Lampe ca. 50 cm) belichteten.

Trotz der verhältnismäßig schlechten Bildqualität des Positivs bin ich alles in allem sehr begeistert und weiß jetzt, was meine nächsten Schritte sein werden. Ein großer Unterschied zwischen Papier- und Filmentwicklung war die Zeit. Die Filme habe ich bisher (nach Anleitung) 15 Minuten lang entwickelt. Bei den Papierbildern konnten ich den Entwicklungsvorgang beobachten, sie waren nach ca. 5 Minuten fertig. Ich hab keinerlei Ahnung, wie sich Trägermaterial und Zusammensetzung der Fotoemulsion auf die Entwicklungsdauer auswirkt, aber die Entwicklungszeit  ist auf jeden Fall ein Faktor, den ich mir bei den nächsten Filmentwicklungen genauer ansehen und nach Möglichkeit optimieren werde. Möglicher Weise kann ich so die bei den Filmen auftretende extreme Braunfärbung etwas verringern, aber evtl. werde ich dort auch mittelfristig vom Caffenol Abstand nehmen. Ich finde es großartig meine Chemikalien aus einfachen Mitteln selbst zusammen zu mischen, aber wenn es nicht funktioniert (was mir von einem erfahrenen Analogfotografen zugetragen wurde), möchte ich auch nicht unnötig lange daran festhalten. Für die Papierentwicklung würde ich es nach meinem derzeitigem Erfahrungsstand auch weiterhin benutzen. Als zweites möchte ich an der Lochbildkamerafront weiter kommen und statt Fotopapier auch hier mit Filmen o.ä. arbeiten. Und zuletzt bleibt da noch „richtige“ Abzüge von Negativen zu machen. Der verregnete Herbst kann also kommen, damit ich nicht die schönen Sonnentage in Dunkelheit verbringen muss.

 

Caffenol again

Trotz reichlich viel Digitalfotografie in den letzten Tagen, bin ich ein wenig an der Caffenol-Front weiter gekommen. Von meinem letzten Film habe ich im Fotolabor einen Kontaktabzug machen lassen, um eine grobe Idee zu bekommen, wie die mit Caffenol entwickelten Bilder am Ende aussehen.

Die Belichtungsmessung muss ich noch in den Griff bekommen, wobei ich mich noch etwas mehr mit meinem Belichtungsmesser auseinander setzen muss. Alternde Selen-Zellen hat er zum Glück mal nicht, aber Schwankungen, abhängig von dem Batteriealter wurden mir zugetragen. Ob / was dahinter steckt, weiß ich zur Zeit noch nicht. Aber eins nach dem anderen.

Die mit Caffenol entwickelten Filme hatten ja einen deutlichen Braunschleier. Inzwischen habe ich jemanden getroffen, der auch schon mal mit Caffenol experimentiert hatte. Er machte mir wenig Hoffnung und empfahl mir einen fertigen Entwickler zu kaufen, warf aber auch Vitamin C als Fehlerquelle in den Raum. An diesem Rädchen werd ich bei der nächsten Entwicklung drehen.

Hier aber ein kleiner Blick auf die ersten Ergebnisse (nur gescannt, nicht weiter bearbeitet). Die Unschärfe ist den Kontakten geschuldet. Da ich die Bilder nicht habe einzeln abziehen lassen (sondern alle auf einer DinA4-Übersicht), blieben die Filme beim Erstellen des Abzugs in Plastikfolien, wodurch die Schärfe leidete.

Vom sepiaähnlichen Look bin ich sehr angetan, und auch begeistert, dass z.B. der Himmel beim linken Bild nahezu weiß ist und (fast) keinen störenden Braunschleier mehr ausweist. Wenn ich diesen durch eine andere Entwicklung noch etwas in den Griffe bekommen sollte, sehe ich Potential, zumindest für gewisse Anwendungszwecke, bei denen es nicht um das *perfekt* entwickelte Bild geht. Auch wenn in dieser Aussage sicher viel Konfliktpotential steckt – ich hab die entsprechende Unterhaltung erst vor ein paar Tagen geführt. Für mich geht es hier mehr um den Prozess an sich. Den Bildern und dem Entwicklungsprozess so nah wie möglich zu kommen. Einfach eine Flasche mit fertigen Chemikalen aufzudrehen reicht mir nicht, dafür habe ich schon viel zu viel Zeit in Laboren verbracht.

Mit dem erstellen von Abzügen hab ich mich noch nicht auseinander gesetzt, aber offenbar ist da noch einiges aus den Bilder zu holen. Dafür fehlt es mir momentan aber noch am geeigneten Ort, um mir eine Dunkelkammer einrichten zu können. Somit muss ich diesen Schritt noch in die Hände des Fotolabors geben. Aber auch dazu werde ich noch kommen, dessen bin ich mir sicher.

Aus dem Ei gepellt

Ein Frage die mir immer wieder gestellt ist, ist die nach unbearbeiteten Bilder. Warum ich diese nicht rausgebe, da sie doch da sind und es doch schöner wäre, wenn sich jemand an denen erfreuen könnte, statt sie auf meiner Festplatte versauern zu lassen.

Es überrascht mich immer wieder was mir für diverse Meinungen zur Bildbearbeitung haben. Mir begegnete absoluter Ablehnung (aus verschiedenen Gründen), dem Zweifel ob das nötig sei und der Ansicht, dass das ja mit dem Computer alles wie von selbst ginge. All dem möchte ich widersprechen.

Für mich ist ein Bild nicht fertig ist, wenn es nicht bearbeitet ist. Damit meine ich keinen extremen HDR-Look oder effektvolle Kompositionen in Photoshop, sondern feine Retuschearbeiten. Wenn sie nicht sich nicht aufdrängen, um so besser. Ohne diesen Feinschliff sind die Bilder nur eine Rohfassung, nicht entwickelt, um die Brücke zur Analogfotografie zu schlagen. Das was früher die Dunkelkammer war, der Ort, an dem die Fotografen noch mal das beste aus Ihren Fotografien heraus kitzeln konnten, steckt halt jetzt im Computer. Damit verfälsche ich ein Bild nicht mehr oder weniger, als es früher beim Entwickeln übers Nachbelichten, Abwedeln oder der Anpassung des Kontrastes über die Wahl eines bestimmten Entwicklers gemacht wurde. Und wenn ich nicht schnell einen Instagram, Hipstamatic o.ä. Filter drüber lege, steckt auch beliebig viel Arbeit im Detail.

Um diesen kleinen schriftlichen Exkurs nicht zu sehr ausufern zu lassen, hier ein Beispiel:

Links out of the box. Rechts die bearbeitete Version. An welchen Stellen ich retuschiert habe, soll das nächste Bild etwas verdeutlichen.
_DSC3203-Kopie.jpgNur das Grobe: Tonwertkorrekturen, Kontraste und Weißablgeich zunächst global, im Detail dann aber für Person und Hintergrund separat. Auch Tasche und Gesicht habe ich noch mal gesondert behandelt. Den Hintergrund oben links ein wenig aufgehellt. Den Haaren habe ich mehr Kontrast und Struktur gegeben, den Lichtreflex entfernt, genau wie die unschöne Stelle im Holz der Brücke und den Ast der ins Bild hing. Sicher auch ein paar Details an der Haut etc.  Hoffe ich hab nichts gravierendes vergessen, die Bearbeitung dieses Bildes ist schon etwas her, aber fand es an diesem Beispiel einfach sehr gut zu erkennen.

Also ab an die Tasten und den nächsten Photoshop-Level durchspielen!

 

 

Filmentwicklungs-Versuchsküche mit Caffenol

Vor einiger Zeit bekam ich eine analoge Hasselblad 1000F, eine Mittelformatkamera aus den 50er Jahren, zusammen mit einer Dunkelkammerausrüstung geschenkt. Anfangs etwas überfordert, gesellte sich ein Belichtungsmesser (Lunasix 3) dazu, wodurch ich mich langsam nicht mehr ganz so orientierungslos durch die analogen Welt bewegte.

Was mich weiterhin lockte war das Entwickeln. Und nachdem ich den ersten Film erfolglos verschossen hatte (man glaubt gar nicht, wie kompliziert es sein kann einen Film richtig einzulegen), beschloss ich völlig unwissenschaftlich an allen Schrauben gleichzeitig zu drehen. Bestellte mir Entwicklungschemikalien, verschiedene Filme und nahm neben der Hasselblad noch die alte Agfa Clack (+/- 1960) meiner Mutter ins Experiment mit auf.

Die Entwicklung des ersten Films (mit der Hasselblad aufgenommen) funktionierte erstaunlich gut. Zwei übereinander gezogenen schwarze Müllsäcke ersetzten mit die Dunkelkammer, um den Film sicher vor Licht geschützt auf die Spule zu wickeln und im lichtdichten Tank zu verstauen. Meine Freude war groß aber es vergang fast ein Jahr, bis ich den nächsten Film (diesmal mit der Agfa Clack) verschossen und bereit zur Entwicklung hatte.

Film aufgespult und alle Chemikalien bereit gestellt fiel mir recht bald auf, dass der Entwickler nach der Zeit vermutlich nicht mehr gut ist. Warten wollte ich *natürlich* nicht, aber das Internet wusste wie so oft eine Lösung: Filmentwicklung mit Caffenol (=Kaffeesäure). Dieses lässt sich sehr einfach aus Kaffee, Soda und Ascorbinsäure zusammenrühren und ersetzte den Entwickler (und nein, das ist dann nicht „ohne Chemie“, oder gar ein „Bio-Entwicker“, wie es in manchen Blogposts so schön heißt, man hat die Chemie nur einfach selbst gemacht 😉 *Klugscheißermodus of* ). Auch hierbei erhielt ich ein Ergebnis. Im Vergleich zum konventionellen Entwickler war der Film wenig kontrastreich und hatte einen starken Grauschleier, dem man, wie ich nachlas, mit der Zugabe von ein wenig Kaliumbromid entgegenwirken kann.

Mit der Agfa Clack hatte ich zwei Filme verknipst, also beschloss ich den zweiten (von einem anderen Hersteller) mit durch KBr verbesserter Rezeptur zu entwickelt. Dies tat ich, und war angetan. Zwar noch nicht beim perfekten Ergebnis angelangt, schien ich mich grob in die richtige Richtung zu bewegen.

Ein wenig Recherche im Internet brachte mich zur 124-Seiten starken Caffenol-Bibel, die ich jedem, der sich weitergehend mit dem Thema beschäftigen will nur wärmstens ans Herz legen möchte. Viele Informationen die ich bis dahin gefunden hatten waren ungenau, unzureichend oder verwirrend. Und auch mein Post hier soll nur eine Richtung weisen und für mich selbst eine Gedankenstütze sein.

Anders als bei meinen bisherigen Rezepten, wurden hier die Zutaten mit Gewichts- statt Volumenangaben versehen, wodurch präziseres Arbeiten möglich war. Auch die Mengenverhältnisse unterschieden sich stark. Ich habe mich an dem Caffenol-C-H-Rezept orientiert, allerdings nicht gekippt (weil das mit meiner Entwicklerdose nicht geht), sondern geschwenkt und das auch nur 1 mal pro Minute, da der Film komplett im Caffenol steht.

Erstaunlicher Weise waren die Ergebnisse mit dem der vorherigen Π-mal-Daumen-Entwicklung vergleichbar.

Ich werde also weiter experimentieren.

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Für nachahmungsfreudige, hier in Kurzfassung mein Rezept, ganz leicht anhand der Kommentare abgeändert vom Caffenol-C-H-Rezept aus dem o.g. Buch:

  • 1 l Wasser
  • 40 g lösliches Kaffeepulver (natürlich nicht von Nestlé 😉 )
  • 52 g Soda (Natriumcarbonat, gibts beim dm)
  • 16 g Ascorbinsäure (= Vitamin C, Zitronensäure ist was anderes, gibts auch beim dm)
  • 2 g Kaliumbromid (im Internet hab ich das kg für ca. 16 € bestellt, in der Apotheke kosteten 100 g 22 €. Hab mehr als genug, schreibt mich an, wenn jemand was haben möchte.)
  • Fixierer

Beim ersten Film hab ich diesen vor der Entwicklung für 5 Minunten gewässert. Das Wasser war danach sehr grün, es wurde also irgendwas rausgelöst? oder ich weiß nicht, auf jeden Fall war mir das zu unsicher und ich hab es danach sein gelassen.

Checkt vor dem ersten Versuch euer Soda bzgl. des Wassergehaltes, damit die Mengenverhältnisse stimmen!

Wie auch im Originalrezept zu lesen, habe ich Kaffee und Soda getrennt voneinander gelöst. Wichtig hierbei lang genug zu warten und zu rühren, bis sich wirklich alles gelöst hat. KBr und Vitamin C habe ich zur Kaffee-Lösung gegeben, und als letzten das gelöste Soda dazu.

Die Lösung wird tiefschwarz und es riecht etwas unangenehm nach Aquarium. Aber es ist auszuhalten.

Kurz warten und rühren, bis keine Bläschen mehr aufsteigen o.ä.

Timer auf 15 Minuten, ab in den Tank mit der Lösung. Diesen ein paar mal auf den Boden klopfen, damit sich eventuelle Luftblasen lösen und gut schwenken (ca. 5 Sekunden). Das dann ein Mal pro Minute wiederholen. Nach Ablauf der 15 Minuten entleeren, 5 mal waschen und 5 Minuten fixieren (inkl. minütlichem Klopfen und Schwenken). Film aufhängen, trocknen lassen, fertig.

Mirror mirror

Circus.jpgIn der letzten Zeit bin ich endlich dazu gekommen, ein paar Selbstportraits zu machen. Darüber nachgedacht hatte ich schon lange, mit ein wenig Bedauern, dass ich mich zu Akademiezeiten dem Thema nicht mehr zugewandt habe. Die Bilder sind hier jetzt etwas zusammen gewürfelt. Für wen es interessiert, hab ich ein paar Sätze dazu geschrieben.

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Im letzen Monat hab ich recht viel im Zirkus und Theater fotografiert. Vermutlich hat sich das auch irgendwie in mein Unterbewusstsein gedrängelt. Und dann war da noch Karneval, ein Clowns-Kostüm und Analogbilder. So kam dann eins zum andern.

 

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Das pinke Bild entstand nach Abschluss der Fotoakademie. Die Akademie mit allem drum und dran hatte zu dem Zeitpunkt über die letzten zweieinhalb Jahre meinen Kopf gefüllt. Meinen Brotjob hatte ich grade gekündigt; vollständig selbstständig. Aus der Bahn geschleudert wie es besser nicht ginge. Knallbunt orientierungslos, bereit für neues.

 

 

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Mein Bewerbungsbild für die Fotoakademie. In die Mappe mussten ~20 Bilder und ein Selbstportrait.

 

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Das Produkt meiner Liebe für Inszenierungen und Tableau-Vivants, das (kreative?) Chaos in meinem Herzen und unerschütterliche Selbstironie.

 

 

 

 

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Mein – soweit ich weiß – erstes Selbstportrait; aufgenommen mit meiner ersten eigenen Kamera, erster Film, zweites Bild.

Flaschenpost

image.jpgSchlappe vier Monate dauerte es, bis das Päckchen, dass wir Ende November in Luganville losgeschickt hatten in Deutschland angekommen ist. Völlig verbeult, mit neuen Kabelbindern und Aufklebern versehen, aber ansonsten unversehrt.

Es duftet zwar weder nach Bananen, noch nach Kokosnüssen, aber bringt Erinnerungen und eine unverschämt große Portion Fernweh mit.

Was bleibt sind Bilder, durch die ich mich seit Tagen klicke, aus- und umsortiere, um im Herbst eine kleine Vortragsreihe mit einer Ausstellung über die Vanuatu-Reise zu halten. Ein schwacher Trost, aber immerhin kann ich so von diesem wundervollen Land erzählen.

Off the beaten tracks

Die meisten Touristen die nach Vanuatu fahren besuchen auch die Insel Tanna, da dort (nach Angaben der hiesigen Tourismusindustrie) den weltbestzugänglichen Vulkan Yasur zu besichtigen. Tatsächlich fährt man mit Jeeps bis 150m vor den Kraterrand und muss nur noch 10 Minuten laufen, bis man kurz vor sich die spuckende Lava sieht. Und da ich – wie vielleicht dezent schon durchklang – Vulkane sehr prima finde, wollten wir uns das nicht entgehen lassen.

Um nicht ganz die klassische Touri-Nummer zu fahren, bzw. eigentlich weil wir versäumt hatten früh genug zu buchen (wer plant schon seine Reise langfristig vor…), bekamen wir keinen Flug mehr nach Tanna und entschieden uns kurzerhand die Fähre zu nehmen.

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Die Fähre. Nachdem wir schon von Big Sista durchgeschaukelt wurden, probierten wir diesmal Vanuatu Ferry aus. Geräumige, komfortable Sitze wurden uns versprochen. Und auch wenn ich im Hinterkopf die Geschichte hatte, dass ca. 1 Woche nachdem wir mit Big Sista gefahren sind, die Passagiere bei der selbigen Überfahrt die ganze Fahrt lang eintretendes Wasser aus der Fähre zurück in den Ozean schöpfen mussten (wie das Wasser eingetreten ist weiß ich leider nicht ganz, da die Frau, die mir davon erzählte leider nur Bislama sprach, was ich nur wenig bis mäßig verstehen kann), schob ich meine Bedenken zur Seite. Eine Wahl hatten wir eh nicht, wenn wir nach Tanna wollten.

Bepackt mit Proviant und Kartenspiel saßen wir nach dem üblichen 1-2 stündigen Warten in der prallen Mittagssonne dann tatsächlich gut gelaunt an einem Tisch mit großzügigen Sitzen und freuten uns auf die 19-stündige Überfahrt, bis uns verkündet wurde, dass die Fähre nicht fährt, da es eine Unwetterwarnung gäbe. Verwirrt wanderten meine Blicke über das spiegelglatte Meer, aber wie sich später rausstellte, gab es tatsächlich eine Tsunamiwarnung für Südvanuatu.

Zwei Tage später ging es dann los. Viele Menschen stiegen in die winzige Fähre. Wer vll schon mal auf eine Nordseeinsel (z.B. das holländische Texel) gefahren ist, diese Fähren sind deutlich(!) größer als die unsrige, die uns mit 9,5 Knoten 200 km über den offenen Pazifik schippern sollte. Autos o.ä. werden hier eh nicht transportiert, da kaum einer eins besitzt, dafür jede Menge Reis, Matratzen, Töpfe und Weihnachtsgeschenke. Im Schiffsbauch die Fracht, ein Deck für die Passagiere.

Ich bin kein Freund von viel Wasser. Am Meer sitzen, ein wenig baden u.ä. finde ich schön, aber sobald es um offene See, U-Boote o.ä. geht steige ich ganz schnell aus. Außerdem wird mir schon auf einer normalen Kinderschaukel schlecht, das hin- und her Geschaukel auf Schiffen ist nicht wirklich nach meinem Geschmack. So wurde mir etwas anders, als um Ruhe gebeten wurde, um uns Lagerort und das Anlegen der Rettungswesten zu erklären, und, wie man im Falle des Falles ins Meer zu springen hat. Keine Rettungsboote. 200 km offenes Meer, mit einer einzigen weiteren Insel kurz vorm Ziel, ansonsten nur Wasser Wasser Wasser und keine Rettungsboote. Nach gut zwei Stunden waren allerdings alle Bedenken vergessen. In dem Bereich, in dem wir saßen, stieg die Temperatur mehr und mehr an, und nach einem kurzen Gang auf Deck, möchte ich meinen, dass der Temperaturunterschied locker 20°C betrug. Es war einfach nicht auszuhalten. Hinzu kam, dass die Bewegungen einer Kinderschaukel verglichen mit dem Seegang geradezu lächerlich sind, und so schloss ich mich nach kurzem Überlegen der Symphonie der Seekranken (der bis auf wenige Ausnahmen sämtliche Passagiere angehörten) an.

Auf halber Strecke zur offenen Tür, durch die etwas frische kühle Luft reinströmte fanden wir auf dem Fußboden noch ein freies Fleckchen (die Einheimischen hatten klugerweise alle Bambusmatten mitgebracht, auf denen sie sich niederließen). Nach einiger Zeit reichte uns jemand eine Decke, auf der wir die nächsten Stunden in stabiler Leidenslage verbrachten. Das einzig positive dieser Seefahrt war, dass wir etwas schneller als erwartet voran kamen und nur 17 statt der erwarteten 19 Stunden benötigten. An Land in Tanna den schwarzen Vulkansand zu berühren und endlich wieder festen Boden unten der Füßen zu haben ist sicher einer der erfüllendsten Momente unserer Reise gewesen.

Auf der Insel Tanna prallen Welten zusammen. Bisher konnten wir die anderen Touristen, die uns begegnet waren fast an einer Hand abzählen (wenn ich mich nicht irre waren es abgesehen von den Cruise Shippern sechs), durch den Vulkan blickten wir hier auf einmal in viele weiße Gesichter, Anspruchshaltung und absurde Vorstellungen. Ein Schweizer beispielsweise konnte nicht fassen, dass es kein kühles Bier gibt. An einem Ort, der 2015 von einem Zyklon vollständig zerstört wurde (wie weite Teile der gesamten Insel), wo es am Tag für ein wenig Licht drei Stunden Strom aus dem Generator gibt, da Benzin rar und teuer ist (3,50€ pro Liter). Die meisten Touristen fallen wie Heuschrecken über die Vulkan-Attraktion her, die durch „traditionellen“ Tanz und Begrüßungtrara abgerundet ist und verschwinden dann wieder spurlos in ihre Resorts. Wie gesagt, westlich induzierter Kulturschock.

Natürlich wollten wir aber auch zum Vulkan, und so einfach der Aufstieg war, war sein Anblick nicht weniger beeindruckend. Schon im Hellen sah man die Lavafetzen durch den Rauch spritzen, richtig beeindruckend wurde das ganze aber bei Dunkelheit. Zwei Schlote spuckten abwechselnd oder gleichzeitig große rote Fontänen und stießen dichten Rauch aus. Dazu donnerte es ohrenbetäubend laut und die Erde bebte unter unseren Füßen. Dieses spektakuläre Schauspiel ohne weitere Anstrengung (wenn man mal von der Schifffahrt absieht) betrachtet zu haben, lies mich allerdings etwas verwirrt zurück. Der Bergaufstieg gehört für mich irgendwie dazu. Ich hätte noch Stunden damit zubringen können, dem Feuerwerk zuzusehen, aber irgendwann mussten wir wieder zusammen mit der Gruppe zurück. Wie wir später feststellten, konnten wir aber auch von unserem Baumhaus aus tagsüber den dichten Rauch und abends die Lavafontänen von Yasur sehen.

Um nicht nur den Vulkan, sondern auch etwas von der Insel zu sehen, blieben wir noch ein paar Tage. Unsere Gastgeber waren sehr nett und so lernte ich (und dass ich es zu lernen hatte war keine Frage), wie man aus einem Palmenblatt mit lediglich einem Messer zur Hilfe einen Ernte-Korb flicht. Außerdem durften wir bei der Zubereitung eines traditionellen Laplaps (Essen) mithelfen, was den ganzen Tag und die Hilfe aller anwesenden in Anspruch nahm. Auch wenn man vom Geschmack her nicht erwartet hätte, dass da so viel Arbeit drin steckt.

Zurück nach Efaté ging es dann mit dem Flugzeug. 45 Minuten, mit „Kapitän Kanguroo“, wie wir ihn seit dem Flug in Ambrym nannten, bei dem er uns schon einmal von Insel zu Insel flog und ohne das geringste Ruckeln die kleine Propellermaschine auf der Graspiste landete. Aus der Luft sahen wir aufs blaue Meer und suchten es nach Booten ab, aber da war nichts außer tiefblauem Wasser.

Unterwegs ein Resümee

Zwar bin ich durch akute Unlust und zu vielen Unternehmungen mit dem Schreiben etwas in Verzug geraten, aber dennoch möchte ich an dieser Stelle ein kleines Sammelsurium an Eindrücken festhalten.

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  • Es gibt noch Internationale Flughäfen ohne Klimaanlage, lediglich mit Ventilatoren an der Decke. Bei meiner sehr ausgeprägten Abneigung gegen AirCons durchaus begrüßenswert, aber dennoch mitunter etwas warm, vor allem zur Mittagszeit.
  • Es ist offiziell verboten tote Schweine im Flugzeug zu transportieren. Lebende Tiere sind kein Problem.
  •  „In Vanuatu, we do not work. We follow our talents.“ Weise Worte vom Coconut-Man. Ein Stück dieser Lebenshaltung würde ich gern importieren.res2.jpg
  •  Entgegen der Aussage unseres Reiseführers ist zelten ist in Vanuatu gar kein Problem. Im Gegenteil. Es war bisher überall möglich, ist sehr viel günstiger als in mitunter sehr einfachen, dafür aber umso teureren Bungalows zu schlafen und – je nach Unterkunft – nicht unbedingt unkomfortabler.
  • Gehe morgens nicht als erste/r auf die Bushtoilette. Wirklich nicht. Vor allem nicht bei Abneigungen gegen Spinnen, die ich zwar nicht im Ansatz habe, aber trotzdem ist es eher wenig erfreulich sich zunächst überall (wirklich überall) durch die Spinnweben und deren Erbauer kämpfen zu müssen.
  • Es gibt Dreck (i.e.S. Vulkanasche), der geht auch mit mehrfachem duschen nicht vollständig ab. Dafür braucht es das Meer.
  • Mango- und Ananassaison ist eine hervorragende Reisezeit und bringt ungeahnte Vorteile mit sich. Z.B. überall herumliegende, köstlichste Mangos, die man einfach zwischendurch aufsammeln und in unanständiger Menge verdrücken kann.
  • Es ist möglich eine Kokosnuss auch ohne Buschmesser aus der faserigen Schale zu befreien, aber keine Freude. Wenn man es dennoch schafft, möchte man die Nuss allerdings überall stolz wie Oscar herumzeigen. Leider ist das gar nicht mehr nötig, wenn man merkt, dass das ganze Enthäutungsspektakel vom halben Dorf belustigt beobachtet wurde. Ich weiß auch noch nicht genau was ich von dem Ausspruch „Wenn wir irgendwas erreichen wollen, muss ich ans Ende nur Tropenfrüchte setzen“ halten soll.
  • Wie ist das eigentlich genau mit der Einfuhr von Buschmessern in Deutschland? Fallen die ab einer gewissen Größe unter ein krudes Waffengesetzt? Denen ist ja alles zuzutrauen.
  • Das Gefühl nach mehreren Tagen oder sogar Wochen das erste Mal wieder in einen Spiegel zu schauen ist seltsam.
  • Den ganzen Tag mit sehr vielen Leuten zu brauchen, um ein traditionelles Essen (Laplap) zuzubereiten scheint mir etwas ineffizient. res3.jpgVor allem, wenn am Ende noch Salz dran muss. Aber auch wenn bei uns nur Bananenbrei, Island Cabbage und Kokosmilch drin war, weiß ich jetzt en detail, wie hier zu den wilden Zeiten die Menschenopfer im dafür (jedes einzelne Mal) gebauten Steinofen gebacken wurden.
  • Kleine Schweine sind so unfassbar niedlich, dass wir dringend dafür sorgen sollten, dass sie auch in Deutschland überall zur allgemeinen Belustigung umher laufen. Außerdem trägt es ungemein zur Freude aller Beteiligten bei, wenn ein Ferkel, in Gesellschaft eines etwa doppelt so großen Hundes, beim Kochen durch die Küche läuft. Das ergab zumindest eine repräsentative Umfrage von zwei Personen.

Der Blick ins Herz

Es ist ein seltsames Gefühl, wenn sich eine Sehnsucht erfüllt.

Für mich das wichtigste Ziel unserer Vanuatu-Reise, befindet sich hier auf Ambrym. In den Bergen gibt es zwei Lavaseen, von denen es nur an sehr wenigen Orten auf der Erde welche gibt. Um genug Zeit zu haben entschieden wir uns drei Tage und zwei Nächste in den Bergen zu bleiben. Ein Führer und zwei Podas (heißt glaub ich eigentlich Träger, aber unsere Rucksäcke trugen wir selbst, das gebot mein Stolz) begleiteten uns. Nach einer langen, schaukeligen Fahrt mit dem Truck in den Dschungel ging es zu Fuß vier Stunden weiter durch Hitze, Fliegen und Vegetation die Berge hinauf, bis wir die Ashplain und das kleine Basecamp erreichten. Auf ca. 700 m war das Klima ein anderes, zumal sich die von Norden kommenden Wolken in den Bergen verfingen und wir so in einem feuchten, kühlen Dunst unser Zelt aufschlugen. Trotzdem, auch hier war richtiger Regen so rar, dass der Wassertank so gut wie leer war und wir froh waren genug Trinkwasser mitgenommen zu haben.

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Neben uns war eine Gruppe Franzosen da. Voll ausgerüstet mit Helmen, dicken Wanderschuhen und Seilen. Als wir feststellten, dass sie die gleichen Ziele wie wir hatten und auf die Füße unserer Führer blickte (2x Flip Flops, 1x Fußball-/ Stollenschuhe), musste ich ein wenig in mich hinein lächeln. Mein Schuhwerk bestand aus Turnschuhen, und, gegen das Lapilli, unter normalen Umständen unpassend hoch gezogene Socken. Vermutlich nicht gänzlich optimal, aber m. E. für diese Art von Bergen vollkommen ausreichend. Sinnvoller als Helme wären sicher Gasmasken gewesen, aber die hatte niemand dabei.

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Die meisten Besucher der letzten Wochen haben es nicht geschafft die Lavaseen zu sehen, da das Wetter zu schlecht war. Um zu dem Lavasee von Mt. Benbow zu gelangen, muss man in den Krater hinein klettern, wenn er in Wolken liegt, ist das unmöglich, da der Ab- und Aufstieg sehr gefährlich sind. Der Weg zu Mt Marum ist lang und kompliziert. Bei schlechtem Wetter sei auch dies nicht möglich. Ganz davon ab, dass die Lava der Seen ca. 1100°C heiß ist und man ohne sehr spezielle Schutzausrüstung eh nicht ganz dicht dran kommt und somit auch klare Sicht braucht.

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Geduld ist eine Tugend, die ich gerne mehr besäße und sie vor allem auf Reisen wie dieser erlange. Obwohl wir am frühen Nachmittag am Camp waren, wollte unser Trupp uns nicht zu den Vulkanen führen, da „everybody tired“ sei. Anstatt mich (innerlich) aufzuregen zuckte ich mit den Schultern, wir packten was zu Trinken und die Kamera ein und zogen alleine los. Ich bin inzwischen auf so vielen unterschiedlichen Vulkanen gewesen und so kurz vorm Ziel, da war es mir (zu meinem großen Erstaunen) sehr egal, ob ich mit oder ohne Führer auf diesen verdammten Berg steige. Den Weg würden wir schon irgendwie finden. Auf der Ashplain fühlte es sich an, als seien wir in Island – leider inklusive Wetter. Nach einer halben Stunde setzte der Regen ein und wollte nicht stoppen, so dass wir irgendwann durchfrohren, nass und zerknirscht umkehrten. Am nächsten Morgen stand eigentlich zuerst Benbow auf dem Programm, doch dieser hing in dichten Wolken. Allgemein war das Wetter aber mehr oder minder ok, also brachen wir sehr früh, noch vor den perfekt vorbereiteten Franzosen, in Richtung Marum auf. Die Wanderung führte über die Ashplain, Geröllfelder hinauf, an rauchenden Kratern vorbei. Als wir schon mitten in den Bergen waren, begann zu regnen. Der von den Vulkanen saure Regen brannte in unseren Augen und auf der Haut. Wir wickelten uns in unsere Sarongs ein, die wir zum Schutz vor den Gasen mitgenommen hatten und gingen schweigend weiter und weiter auf 1200 m die Bergflanke hinauf. Nach einer Ewigkeit hörten wir ein Rauschen und nach 20 Metern standen wir am Abgrund und blickten durch den Rauch hindurch in den Vulkankessel auf den Lavasee. Es kochte und brodelte. Manchmal spritzen kleine Fontänen an dem Rand hoch und erkalteten langsam auf der schwarzen Schlacke. Der Anblick war überwältigend. Plötzlich kam ein Wind auf, der den Rauch zur Seite blies und uns für einige Zeit freie Sicht in das pulsierende Herz des Vulkans offenbarte. Es kam mir vor, als würde ich in mein eigenes blicken.

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Der Regen wurde immer stärker und zurück im Camp blieb uns nicht viel, als uns in die Palmblätterhütte zu verkriechen, Karten zu spielen und mit unseren Guides lokale Besonderheiten auszutauschen. Ich war mir schon beim Aufstieg durch den Dschungel nicht sicher, ob sie wirklich nur Tabak rauchen, auf jeden Fall machten wir das Beste aus der Situation.

Abends lichteten sich die Wolken und wir sahen von der Ashplain aus, zum Greifen nahe, das rote Leuchten in den Wolken. Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Über Nacht hatte es sich tatsächlich aufgeklart, also gingen wir nach einer Tasse dünnem Tee und ein paar Keksen mit Erdnussbutter los in Richtung Benbow. Der Aufstieg war zwar kürzer, aber deutlich steiler. Hinzu kam, dass wir noch in den Krater klettern mussten, da Benbow zwei ineinander geschachtelte Krater hat, in dessen inneren der Lavasee ist. Vor allem dieses letzte Stück was sehr abenteuerlich und verlangte uns einiges ab. Die Wand war steil, im oberen Teil mit rutschigem Lapilli und weiter unten von einer unebenen Schlacke bedeckt, deren Struktur an aufgeplatzte Pillowlaven erinnerte. Trotzdem schafften wir es und durften wegen des unsteten Wetters 15 Minuten in den kochenden See blicken, bevor wir den Rückweg antreten mussten. Wir waren viel näher an Benbows See, die von ihm ausgehende Hitze war noch viel deutlicher zu spüren. Obwohl, oder grade weil er laut Karte etwas kleiner als der See von Marum war, schien er viel wilder zu sein. Einige Einheimische glauben, dass die Seelen der Toten in diesen Seen sind. In diesem sind wohl die schlechter gelaunten.

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Die Zeit in den Bergen war so anders und intensiv, dass es sich seltsam anfühlte, nach dem Abstieg durch den Dschungel wieder mitten in den Tropen am Meer zu sein. Von einer fremden Welt zurück in die nächste.